day 350: nicaragua

Für mich ging meine erste Reise in meinem „Reisemonat“ nach Nicaragua! Vielen, denen ich das im Vorfeld erzählt habe, haben mich erst einmal gefragt, was Nicaragua ist – Nicaragua ist ein Land in Mittelamerika. Und da ich das Glück habe, dass mein Visum in meinem Reisemonat noch gültig ist (normalerweise ist der Reisemonat der 13.Monat, nachdem das Visum schon abgelaufen ist, man aber noch 30 Tage in den USA geduldet wird – sobald man allerdings die USA verlässt, kommt man nicht mehr rein, weil das Visum ja abgelaufen ist) und die Flüge nach Nicaragua erstaunlich billig waren, bin ich ziemlich spontan zu meiner Freundin Talita, die dort ein Freiwilligenjahr macht, nach Nicaragua geflogen.
Am 29.06 ging’s also los nach Mexico City, wo ich auch einen 13h Aufenthalt über Nacht hatte. Ich konnte erstaunlich gut schlafen, aber war dann doch ziemlich froh, als ich endlich im Flugzeug nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas saß. Dort hat mich Talita dann auch um 11 Uhr abgeholt und es war so komisch sie wiederzusehen, weil es überhaupt nicht komisch war, bei ihr zu sein, mit ihr zu reden und mit ihr zu reisen – mega komisch!
Von Managua aus haben wir gleich einen Bus nach Estelí genommen, wo wir uns erst einmal um ein Hostel gekümmert haben, Sachen fürs Frühstück am nächsten Tag gekauft haben (alles ist SO BILLIG!) und dann in dem westlichen Supermarkt dort uns mit Süßigkeiten, Eis und Fanta Roja eingedeckt haben, die wir dann in dem Park dort gegessen haben. Fanta Roja trinkt in Nicaragua jeder und es ist super beliebt, aber ich kann absolut nicht verstehen, wieso, denn das ist eines der ekligsten Getränke, die ich je getrunken habe – super künstlich (aber das ist fast alles in Nicaragua) und einfach nicht gut. Aber gut, man muss ja alles mal probieren! Wir saßen dann eigentlich nur noch ziemlich lang im Park und haben geredet.

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Am nächsten Tag wurden wir um 5 Uhr vom Wecker geweckt, sodass wir den Bus um 6.15 Uhr zum Somoto Canyon schaffen würden. Dort angekommen, haben wir noch gewartet bis alle anderen Tourteilnehmer da waren, haben uns umgezogen und unser Essen für später ausgesucht.
Danach ging es mit einem Lieferwagen (natürlich auf der Ladefläche) zu dem Eingang vom Canyon. Am Anfang mussten wir dann auch erst ein Stück gehen, bis wir dann in den Fluss, der durch den Canyon geht, gegangen sind. Die nächsten vier Stunden haben wir dann schwimmend, kletternd, springend und wandernd verbracht. Es war echt eine mega coole Erfahrung durch den Canyon zu schwimmen, wenn auch nicht ganz ungefährlich – zum Ende hin hatte es angefangen zu regnen und Steinbrocken lösten sich vom Canyon. Das fanden Talita und ich nicht ganz so witzig, aber wir waren schon fast am Ende und sind auch alle heil angekommen. Das letzte Stück ging es dann mit dem Boot und zu Fuß weiter und zurück am Haus des Tourguides gab es noch ein leckeres Essen (natürlich Fleisch mit Reis und Bohnen). Wir sind dann nur noch zurück nach Estelí, wo es noch einmal Eis und mexikanisches Essen gab.
Der Canyon sah wirklich GANZ anders aus, als alle, die ich bisher gesehen habe – super grün (was natürlich auch an der Regenzeit lag)!
Wer einen bisschen ausführlicheren Bericht möchte, kann gerne Talitas Blogeintrag lesen, aber mein Blogpost wird sowieso viel zu lang, also versuche ich mich kurz zu halten.

Am Sonntag ging es für uns dann zurück nach Managua, wo wir uns die wenigen Sehenswürdigkeiten angeschaut haben. Nicaragua ist wirklich super bunt und alles ist in Neonfarben – ich kam mir immer wie in einem Kinderspieleland vor. Neben dem Hafen haben wir dann auch ziemlich viel Essen an einem Straßenstand gekauft – ich musste ja alles probieren! Das meiste war auch lecker, wenn auch UNGLAUBLICH fettig. Die frittieren echt alles und wenn nicht, dann braten sie es in einer zentimeterdicken Schicht Öl an. Sonst muss man sagen, dass die Städte dort nicht wirklich schön sind, aber Nicaragua ist auch das ärmste Land Zentralamerikas und das sieht man auch.
Nachmittags sind wir dann zu Talita nachhause nach Masatepe gefahren, wo ich dann auch ihre Gastfamilie und mein Zuhause für die nächsten sieben Tage kennengelernt habe.

Am Montag klingelte der Wecker um 5 Uhr, aber nachdem ich vom Duschen wiederkam, meinte Talita, dass es ihr gar nicht gut geht und sie nicht zum Arbeiten gehen kann. Deshalb waren wir den ganzen Montag zuhause, was mir aber auch ganz Recht war, denn so hatte ich Zeit mich zu akklimatisieren und mich an die doch sehr anderen Lebensumstände zu gewöhnen.
Am Dienstag ging es Talita dann Gott sei Dank besser und wir konnten in die Schule gehen, in der sie gearbeitet hat. Sie hilft dort den Englischlehrerinnen im Englischunterricht und die Zeit verging auch super schnell, denn ich war als Talitas persönliche Fotografin dabei und hatte genug zu tun, ihre letzte Schulwoche festzuhalten! Die Kinder waren alle auch so süß und fanden natürlich meine Haare ganz toll 🙂

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Nach der Schule gab es erst einmal Mittagessen – bestimmt Reis, Bohnen und Fleisch, so genau weiß ich das nicht mehr, aber das gab es eigentlich immer, und dann ging es weiter nach Catarina. Während meines Auslandshalbjahr in Spanien hatte ich meinen Namen zu Catalina gewechselt, denn Katharina ist nicht wirklich bekannt in Spanien und es hat sowieso immer jeder Catalina verstanden. Dieses Mal hatte ich allerdings Glück und ich musste nur sagen, dass ich wie die Nachbarstadt heiße und schon konnten alle meinen Namen aussprechen 😀
Catarina selber war auch die schönste „Stadt“, die ich in Nicaragua gesehen habe und das sage ich jetzt nicht nur, weil sie meinen Namen trägt. Unser Ziel dort war ein Aussichtspunkt, von dem man einen Ausblick über eine Lagune und einen Vulkan hatte. Hinter der Lagune konnte man außerdem noch die Stadt Granada erkennen (mit dem Superzoom meiner Kamera sogar ziemlich genau) und allgemein war der Ausblick einfach wunderschön! Dort gab es auch noch einen kleinen „Wander“weg, den wir auch noch abgelaufen sind und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben wilde Affen gesehen – so cool! Am Abend war dann noch eine kleine 4th of July-Party, die die amerikanischen Freiwilligen im Ort organisiert haben, wo wir natürlich auch hin sind, denn wenn ich schon nicht in den USA selber feiern konnte, wollte ich zumindest ein bisschen den wichtigsten Feiertag der USA feiern.

Am Mittwoch sind wir nach der Schule zum Vulkan Masaya, den wir schon immer auf dem Schulweg gesehen haben. Dort wurde uns allerdings gesagt, dass man wegen des Regens nichts sehen kann, weshalb wir wieder zurückgefahren sind und in einem Café gechillt haben. An dem Abend ging es mir dann nicht so gut und laut Google müsste ich jetzt auch schon tot sein (einfach niemals Symptome googlen :D), aber mir ging es schon am Donnerstag viel besser!
Donnerstag war auch Talitas letzter Schultag mit den Kindern und das war wirklich so traurig! Ich hatte auch bestimmt 2-3x Tränen in den Augen, weil die Kinder teilweise auch so geweint haben und man einfach gemerkt hat, wie sehr sie an Talita hängen. Die ganzen Abschiede haben mich natürlich auch an meine ganzen Abschiede erinnert und somit das Ganze auch nicht einfacher gemacht.
Unser Nachmittagsprogramm fiel dann auch wortwörtlich ins Wasser und wir waren wieder in einem Café, aber nicht allzu lange, weil es mir nicht so gut ging. Deshalb haben wir dann auch Tabletten in der Apotheke gekauft und das war echt richtig cool, weil du genau die Anzahl kaufen kannst, die du brauchst. Zurück zuhause haben wir noch ein bisschen Wäsche gewaschen, uns dann nur noch zwei Filme angeschaut und sind dann auch schlafen gegangen.

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Am Freitag konnten wir sogar ein bisschen ausschlafen, weil wir erst um 9 Uhr an der Schule sein mussten. Dort hatten dann die Lehrer für Talita und ihre Mitfreiwillige eine super schöne Abschiedsfeier geplant und ich war natürlich wieder als persönlicher Foto- und Videograph dabei. Die Feier war wirklich sehr süß und von Herzen. Es wurden viele Spiele gespielt, es gab gutes Essen (inklusive Bohnen und Reis – ja, okay, dass ist jetzt nicht mehr witzig) und natürlich noch einmal ein paar Abschiedsgeschenke für die beiden.
Wir waren dann auch sehr viel später als geplant zuhause, haben dort auch nur gepackt und sind dann wieder los. Unser Ziel war San Juan del Sur, eine (Party)Stadt am Pazifik, aber die Fahrt dahin war etwas abenteuerlich. Zuerst sind wir zu viert mit dem Mototaxi nach Catarina gefahren, dort haben wir relativ lange auf einen Bus nach Rivas gewartet, der dann aber doch irgendwann kam, und von Rivas aus haben wir dann ein Taxi nach San Juan del Sur genommen. Da wir nicht genau wussten, wo unser Hostel ist, haben wir uns zuerst mit der amerikanischen Freiwilligen getroffen, die schon früher am Tag gefahren ist und nachdem wir uns alle im Hostel umgezogen hatten, ging es dann wieder nach Downtown. Talita und ich hatten eigentlich gar nicht so viel Lust Party zu machen, aber wir waren dann diejenigen, die man um 3 Uhr zum Nachhause gehen zwingen musste 😀 Der Abend war echt mega schön! Ich wollte eigentlich nur unbedingt einmal zu Despacito tanzen, das allen bestimmt schon zu den Ohren raushängt, aber seit das draußen ist, war ich ja noch nicht wirklich feiern. Gegen 1 oder sogar 2 Uhr wurde es dann endlich auch gespielt, aber Katharina war natürlich gerade draußen, um Wasser zu kaufen. Als Talita und ich allerdings realisiert haben, was gerade läuft, sind wir wie so zwei völlig Verrückte wieder reingerannt, aber es hat sich gelohnt 😀

Am Samstag haben wir dann erst einmal „ausgeschlafen“ und das kostenlose Frühstück (Toast mit Marmelade) ausgenutzt. Und mit ausgenutzt, meine ich ausgenutzt. Wir haben beide sechs Scheiben Toast gegessen und hätten locker noch mehr essen können, wenn wir nicht zu faul gewesen wären, uns immer für den Toaster anzustellen. Nach dem Frühstück ging es zuerst zur Christostatue und danach natürlich an den Strand. Endlich kann ich auch sagen, dass ich im Pazifik geschwommen bin, der war da nämlich badewannenwarm (ich bin mir ziemlich sicher, dass man das eigentlich nicht so sagt im Deutschen). Talita und ich haben uns dann auf die Suche nach einem bestimmten Eis, das wir in Estelí schon zweimal gegessen hatten, gemacht und sind dafür sogar extra durch San Juan del Sur gelaufen und haben die tausend Anhuper und Hinterherpfeifer ertragen. Wirklich, sobald du ausländisch bzw. westlich aussiehst, pfeift dir jede männliche Person, der du begegnest, hinterher oder hupt dich an – egal ob 8 oder 80 Jahre alt. Das Eis haben wir leider nicht gefunden, aber einen relativ guten Ersatz, und als wir zurück am Strand waren, wurden wir schon von dem Cousin eines Freundes erwartet, da wir mit ihm mit zurück nach Masatepe fahren konnten – mega gut!

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Zurück im Haus hatten wir noch kein fließend Wasser (wir hatten immer nur morgens ab ca. 5 Uhr und nachmittags ab ca. 16 Uhr für ein paar Stunden fließend Wasser, wobei ich schon Glück hatte, da es durch die Regenzeit relativ lange Wasser gab), da wir uns aber UNBEDINGT duschen wollten – wir hatten ja schließlich noch Salzwasser und Sand überall -, haben wir einfach ohne fließend Wasser geduscht. Mir hat das sogar super viel Spaß gemacht!
Am Abend waren wir noch im Jugendgottesdienst von Talitas Kirche, der für mich ein bisschen doof war, weil die keinen Text zu den Liedern hatten und ich somit, wenn überhaupt, nur den Refrain mitsingen konnte. Danach haben wir uns noch mit ein paar Freunden von Talita getroffen und waren dann auch relativ spät zuhause.

Der Sonntag war dann auch schon mein letzter Tag (ja, ihr habt es wirklich bald geschafft!), den wir aber auch noch einmal richtig gut genutzt haben, denn das Wetter war endlich gut und wir konnten hoch zum Vulkan!
Der war wirklich mega beeindruckend, da er aktiv ist und man sogar die Lava sehen kann – so cool! Man darf auch nur 5 Minuten oben bleiben und viele Sachen sind gesperrt, aber es war trotzdem eine beeindruckende (ich suche gerade verzweifelt nach anderen Wörtern für mega/sehr/super/so cool/schön – die habe ich nämlich schon eindeutig genug verwendet in dem Post, aber es war einfach alles so mega super cool) Erfahrung, auf einem aktiven Vulkan zu stehen und sogar die brodelnde Lava zu sehen.

Danach ging es leider schon zum Flughafen. Der Abschied war nicht wirklich schwer, da wir uns in einem Monat schon wieder sehen. Am Flughafen musste ich noch relativ viel Zeit überbrücken, aber ich habe mit Anna telefoniert und das kostenlose W-Lan genutzt.
In Mexico City hatte ich dieses Mal dann einen 8h Aufenthalt über Nacht, wobei ich dieses Mal überhaupt nicht schlafen konnte. Nach der Erfahrung vom Hinflug hätte ich einen Nachtaufenthalt am Flughafen fast schon empfohlen, aber ein Bett ist mir dann doch lieber.

Die Reise nach Nicaragua war wirklich ein sehr besonderes Erlebnis und ich bin so dankbar, dass das wirklich geklappt hat. Nach elf Monaten in einer der reichsten Regionen der Welt in eines der ärmsten Länder zu gehen, hat mir auf jeden Fall gezeigt, wir luxuriös und gut wir alle leben in Deutschland und in den USA und ich bin definitiv noch dankbarer, dass bei meiner lottery of birth Deutschland rauskam.
Das Silicon Valley und Nicaragua sind wie Tag und Nacht, wenn nicht sogar noch krasser, und obwohl ich dort nur so kurz war, kann ich über die Probleme hier nur noch noch mehr den Kopf schütteln und auch jedes Mal, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe und da immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit, kaltes und heißes (das kennen die in Nicaragua gar nicht) Wasser rauskommt, wie es ja für mich die letzten 19 Jahre Normalität war, nehme ich das jetzt viel bewusster wahr und weiß einfach, dass das nicht Normalität ist. Natürlich wusste ich das vorher auch, aber es selber zu erleben, selber so zu wohnen, ist noch einmal etwas ganz anderes.
Selbst wenn ich jetzt sage, ich habe so gewohnt, dann stimmt das ja nicht einmal wirklich. Für mich war das Waschen der Klamotten von Hand und das Duschen ohne fließend Wasser ein Spaß – etwas neues und ungewöhnliches, das ich gerne mal ausprobiert habe -, aber was es wirklich bedeutet z.B. ohne fließend Wasser zu leben, was ja nicht einmal eine super prekäre oder sogar lebensbedrohliche Lebenssituation darstellt, davon habe ich noch immer keine Ahnung.

P.S.: Entschuldigung, dass der Blogeintrag so lange geworden ist. Ich wollte nur die ganze Reise in einen Post packen, bevor es übermorgen weiter auf meine nächste und letzte Reise hier in den USA geht und auch meine Erinnerungen daran noch ziemlich frisch sind. Ich hoffe, er gefällt euch – wirklich vielen Dank fürs Lesen!

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